25. Juni 2009

Architekturpsychologie

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Die Zeitschrift für ganzheitliches Wohnen

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Jeder von uns kennt die verschiedenartigen Gefühle, die nicht nur der Anblick unterschiedlicher Landschaften, sondern auch Gebäude, Straßen, Plätze, Gärten und Räume – kurzum: von Menschen gestaltete Umgebung – in uns auszulösen vermag. Wir können uns dann geborgen fühlen oder verloren, inspiriert oder gedämpft, an etwas erinnert oder überrascht, desorientiert oder erkundigungsfreudig und vieles mehr. Und dennoch ist uns nur selten bewusst, wie intensiv unsre künstliche Umwelt sich auf unsre Wahrnehmung, auf Stimmungen und Verhalten auswirkt.

Seit den siebziger Jahren bemüht sich die Architekturpsychologie, mehr Licht in diese Zusammenhänge zu bringen. Sowohl das Erleben und Verhalten des Menschen in seiner baulichen Umwelt als auch der dem Bauen vorausgehende Planungs- und Kommunikationsprozess sind ihre Forschungsthemen. Der anwendungsorientierte Zweig der Architekturpsychologie wiederum nutzt die Forschungsergebnisse, um eine Architektur zu ermöglichen, die sich am Menschen orientiert - und nicht an ihm vorbeiplant.

Denn soviel steht fest: einen Großteil unserer Zeit verbringen wir in einer Umgebung, an deren Gestaltung der Einzelne gar nicht oder nur in geringem Ausmaß beteiligt wurde. Sie wurde von einigen wenigen Professionen unter bestimmten Gesichtspunkten entworfen – und wir fügen uns ein. Ob und inwieweit die Ergebnisse dann unsren Bedürfnissen gerecht werden hängt davon ab, wie gut Planer, Ingenieure und Techniker sich in das Erleben und Verhalten der späteren Nutzer hineingedacht haben.

Dabei gehört der Wunsch, sich eine eigene Wohnumgebung zu gestalten, zu den Urbedürfnissen des Menschen. Schutz vor Witterung und Gefahren und die Suche nach Orientierung führten zur Nutzung von Höhlen und zum Bau der ersten einfachen Hütten. Betrachten wir unseren Alltag in einer zunehmend schnelllebigen, ökonomisierten und unruhigen Zeit, so stellen wir überrascht fest, dass sich an diesen Grundbedürfnissen wenig geändert hat. Noch immer brauchen wir Schutz, heute zusätzlich vor Lärm und anderen Umweltbelastungen, vor Einblick und Fremdbestimmung. Unsere Wohnung soll uns vom Alltag entlasten, uns ein Umfeld bieten, in dem wir uns mühelos zurechtfinden und uns fester Bezugspunkt sein. Hinzu kommen Werte wie Ästhetik, Behaglichkeit, Selbstbestimmung, Geselligkeit und Selbstentfaltung.

Diese Wohnwerte zu schaffen ist indessen nicht nur eine Frage architektonischen Könnens. Die Bewusstwerdung der ganz eigenen Fantasien, Sehnsüchte und konkreten Bedürfnisse, das Einbringen der individuellen gestalterischen Impulse und Fähigkeiten, und nicht zuletzt die Art und Weise, wie wir all dies Planern und Architekten gegenüber vermitteln können sind mindestens ebenso wichtig für das Entstehen einer wohltuenden Wohnumgebung wie Technik und Ästhetik.

Die von der Architekturpsychologie erarbeiteten Einsichten und Beratungsrichtlinien können dazu in hohem Maße beitragen.

(Veröffentlicht im Handbuch „Bauen, Renovieren, Sanieren“ des Zentrums für Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Trier)


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Eingetragen von Claudia Nelgen um 19:28 CET
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